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Digitaler Nachlass


Haben Sie sich schon einmal überlegt, was mit unseren Facebook-, Twitter- oder Gmail-Konten passiert, wenn wir nicht mehr sind? Oder wie diese Daten nach dem Tod einer nahestehenden Person zu verwalten sind? Solche Gedanken sind ganz normal.
Wenn wir uns im Alltag umsehen, wird sofort klar, welchen Stellenwert ein digitaler Nachlass hat.

Heutzutage wird praktisch alles über ein Konto auf einer Website verwaltet: unser Telefon, unsere Abonnemente, die Krankenkasse, unsere Bankkonten. Unsere Dokumente und Fotos und sogar unsere Filme und unsere Musik sind in einer Cloud gespeichert. Wie aber können unsere Angehörigen nach unserem Tod auf diese Daten zugreifen, wenn wir keine expliziten Angaben gemacht haben? Nur schon der Zugriff auf unser Telefon erfordert einen Code.

Einige digitalen Daten wie Fotos oder Videos haben Erinnerungswert. Verschiedene soziale Netzwerke geben Freundschaftsempfehlungen ab oder erinnern an Geburtstage. Diese Situationen können für die Hinterbliebenen sehr schwierig sein. Deshalb ist es wichtig, die Konten nicht verwaisen zu lassen.

Die von uns ins Internet gestellten Informationen werden auf privaten Sites gespeichert und unterstehen den „Allgemeinen Nutzungsbedingungen“. Bei bestimmten Seiten verzichten wir mit der Annahme der Allgemeinen Bedingungen auf unsere Eigentumsrechte. Auf den Websites zum Kauf immaterieller digitaler Werke erwerben wir kein effektives Medium (wie eine CD oder DVD), sondern eine Art Nutzungslizenz, die aber nicht übertragbar ist. Nach dem Tod wird das Konto somit gelöscht. Ein Beispiel: Es gibt keine „Vererbung“ der Musik bei iTunes, obwohl diese Musik käuflich erworben wurde.

Die Verwaltung unserer digitalen Identität nach unserem Tod ist kompliziert und zeitaufwändig. Die meisten Plattformen haben sich noch nicht gross mit diesem Problem befasst. Einige wiederum bieten bestimmte Einstellungsoptionen. Viele dagegen haben noch keine echte Lösung. Die Allgemeinen Bedingungen sind von Site zu Site unterschiedlich, und es gibt noch keine entsprechenden gesetzlichen Regelungen.

Die beste Lösung: Die Übertragung

Am einfachsten und effizientesten ist es, die Zugriffe zu übertragen. Wie bei physischen Gütern können wir auch hier Weisungen für unsere digitalen Daten erteilen. Als Erstes muss ein Inventar all unserer Konten mit Benutzername und Passwort erstellt werden. Vergessen Sie den Zugriffscode fürs Telefon nicht! In der heutigen Zeit wenden zahlreiche Websites eine Benutzeridentifikation mittels SMS an. Anschliessend geben Sie Ihren Erben Ihre Anweisungen. Sollen die Konten gelöscht oder beibehalten werden? Sollen Ihre Lieben Ihre Daten herunterladen? Mit dieser Lösung können Ihre Hinterbliebenen leichter auf die Konten zugreifen und Ihre Wünsche respektieren.

Es ist wichtig, die letzten Wünsche zum digitalen Nachlass festzuhalten, damit die Hinterbliebenen wissen, ob sie Konten löschen sollen oder nicht. Dazu kann es ja unterschiedliche Meinungen geben. Wie wir noch sehen werden, bieten einige Plattformen als einzige Option eine Löschung an. Auf anderen Plattformen wiederum kann das Profil in eine Gedenkseite umgewandelt werden. Deshalb ist es empfehlenswert, klare Anweisungen zu geben.

Keine Übertragung

Schwierigere Verwaltung, weil die Erben nicht alle Konten des Verstorbenen kennen und weil jede Plattform ihre eigenen Bedingungen hat. Die Hinterbliebenen müssen jeden Fall individuell regeln.

Um ein Inventar der verwendeten Dienste zu erstellen, müssen die Erben „ermitteln“ und die Bankkontoauszüge prüfen, um alle Abbuchungen zu finden oder im Verlauf und den Favoriten der Suchmaschine des Verstorbenen suchen (natürlich nur, wenn sie überhaupt Zugriff auf den Computer haben).

Digitales Vermögen

Zuerst die wichtigsten: die Bankkonten. Sobald die Bank über den Todesfall orientiert ist, werden die Konten gesperrt. Der Kontosaldo wird gleichzeitig mit dem Nachlass geregelt, und die nach dem Tod erfolgten Transaktionen werden genaustens analysiert.

Auch bei gesperrten Bankkonten bleibt das PayPal-Konto zugänglich und kann noch Geld enthalten. Wenn die Angehörigen die Zugangsdaten besitzen, müssen sie nur noch die Nummer der Kreditkarte und/oder des Bankkontos angeben. Wenn die Erben keinen Zugriff haben, muss der Vermögensverwalter einen Antrag an die Nummer 0821 230 215 faxen und folgende Unterlagen beilegen:

  • Ein Schreiben, in dem erklärt wird, dass der Kontoinhaber verstorben ist und das PayPal-Konto geschlossen werden soll
  • Die Kontaktdaten des Vermögensverwalters (E-Mail-Adresse oder Telefonnummer)
  • Die Sterbeurkunde
  • Eine Kopie des Testaments oder rechtlicher Unterlagen des PayPal-Kontoinhabers mit Informationen zur Identität des Vermögensverwalters
  • Einen gültigen Ausweis mit einem Foto des Vermögensverwalters
  • Ein Schreiben mit Angaben darüber, wie PayPal mit dem restlichen Kontoguthaben zu verfahren hat

Nach einer Prüfung wird das Konto geschlossen, und die Erben können das verfügbare Guthaben übernehmen.

Die derzeit sehr modernen Bitcoins, die ein kleines Vermögen bringen können. Auf dieses digitale Portfolio kann nur mit den Benutzerangaben des Verstorbenen zugegriffen werden. Ohne diese Angaben kann das Prozedere sehr langwierig werden, da die Hinterbliebenen die konkreten Angaben zu diesem Konto über Bankauszüge und Steuerunterlagen suchen müssen. Ohne anerkannten Erben geht der Gesamtbetrag eines Tages an den Staat über.

E-Mail-Adressen

Microsoft

Bei Mailadressen Outlook, live oder MSN bietet Microsoft die Möglichkeit, das Kontoarchiv zu löschen und als DVD an den nächsten Angehörigen zu schicken. Dazu muss ein Antrag gestellt werden, dem folgende Unterlagen beizulegen sind:

  • Eine offizielle Sterbeurkunde des Benutzers
  • Eine Bescheinigung, dass der Antragsteller wirklich der nächste Angehörige (gesetzlicher Erbe) und/oder der Willensvollstrecker oder der Begünstigte dieses Benutzers ist oder dass eine Vollmacht existiert
  1. Eine Heiratsurkunde, die bescheinigt, dass es sich um den Ehepartner des Kontoinhabers handelt
  2. Eine unterzeichnete Vollmachtsbescheinigung
  3. Eine Kopie des Testaments, in dem der Antragsteller als Willensvollstrecker oder Begünstigter aufgeführt ist
  4. Eine Geburtsurkunde des Benutzers, wenn es sich um einen Elternteil handelt, oder Beweise für eine Vormundschaft bei gesetzlichen Vormunden
  • Eine Fotokopie des offiziellen Ausweises (mit Foto)

Ausserdem werden diverse Kontoinformationen verlangt: Geburtsdatum, das die Person beim Erstellen des Kontos angegeben hat, beim Erstellen angegebener Wohnort. Achtung! Dieses Verfahren variiert von Fall zu Fall.

Yahoo

Nach dem Erhalt einer Kopie der Sterbeurkunde und eines Ausweises des Kontoadministrators, die per Post zugestellt werden müssen, deaktiviert und löscht Yahoo ein Konto vollständig. EMEA Ltd (Attn Legal Department, Block P Eastpoint Business Park Clontarf, Dublin 3 Ireland). Wenn die Erben den Inhalt erhalten wollen, müssen sie eine notariell beglaubigte Urkunde vorweisen, aus der ihr Anspruch hervorgeht.

Kulturgüter (Musik, Bücher, Filme)

Digitale Büchereien (wie Amazon oder iTunes) können nicht legal übertragen werden. Um weiterhin auf die Bibliothek des Verstorbenen zugreifen zu können, ist es am einfachsten, sein Konto aktiv zu lassen (dazu müssen die Benutzerangaben bekannt sein).

Musik, Filme und Serien auf Streamingplattformen (z. B. Spotify und Netflix) gehören uns nicht. Der Zugriff erfolgt mit einer Nutzungslizenz, die ausläuft, sobald nicht mehr bezahlt wird. Achtung: Eine Abmeldung ist erforderlich, da die Abonnemente automatisch erneuert werden.

Speicherdienste

Dropbox wird nach zwölf Monaten Inaktivität gelöscht. Um diese Frist zu verkürzen, ist ein gerichtliches Gesuch in den Vereinigten Staaten erforderlich.

Apple erklärt in den Allgemeinen Bedingungen von iCloud, dass es keine Übertragungsrechte gibt. „Sofern gesetzlich nichts anderes vorgeschrieben ist, stimmst du zu, dass dein Account nicht übertragbar ist und dass alle Rechte an deiner Apple-ID oder deinen Inhalten innerhalb deines Accounts im Falle deines Todes enden.“ Bei Erhalt einer Kopie der Sterbeurkunde wird das Konto aufgelöst und sämtliche Inhalte werden gelöscht. Dazu ist eine Kontaktaufnahme mit dem Apple Support erforderlich.

Soziale Netzwerke

In der heutigen Zeit sind die sozialen Netzwerke so etwas wie das Tagebuch einer Person und haben Erinnerungswert.

Facebook:

Facebook ist zurzeit am fortschrittlichsten auf diesem Gebiet. Es gibt zwei Möglichkeiten: das Konto entfernen oder es in den Gedenkzustand versetzen. Ausserdem bietet Facebook die Option, den digitalen Nachlass vorzubereiten. Die Verwaltung des Kontos wird vereinfacht, wenn vorgängig ein Nachlasskontakt bestimmt wird. Dieser kann nach Ihrem Tod auf Ihr Konto zugreifen und es verwalten.

Der Nachlasskontakt kann:

  • Beiträge verfassen
  • Freundschaftsanfragen beantworten
  • Das Profil- und das Titelbild aktualisieren
  • Alle Statusanzeigen, alle geteilten Fotos und Informationen herunterladen (sofern vom Verstorbenen vorgängig genehmigt)
  • Nicht auf private Mitteilungen zugreifen
  • Das Konto löschen

Der Benutzer kann anstelle eines Nachlasskontakts auch bestimmen, dass das Konto nach seinem Tod gelöscht wird, sobald die Hinterbliebenen Facebook über seinen Tod informiert haben.

Beim Konto im Gedenkzustand wird neben dem Namen „In Erinnerung an“ angezeigt. Die alten Inhalte sind in der Chronik sichtbar und die „Freunde“ können Erinnerungen teilen. Das Konto erscheint nicht mehr bei den Empfehlungen.

Um das Konto zu löschen oder es in den Gedenkzustand zu versetzen, muss der Tod des Kontoadministrators mittels Sterbeurkunde (oder Nachruf für ein Konto im Gedenkzustand) nachgewiesen werden.

Instagram:

Ein Instagram-Konto kann ebenfalls in den Gedenkzustand versetzt werden. Anders als bei Facebook unterscheidet es sich jedoch nicht von einem normalen Profil. Es kann aber so verändert werden, dass es nicht mehr öffentlich zugänglich ist. Es ist möglich, online einen Antrag auf Entfernung des Kontos zu stellen.

Snapchat:

Hier ist die einzige Möglichkeit, das Konto mit Vorweisen der Sterbeurkunde mithilfe dieses Formulars zu löschen. Das Verfahren ist relativ kompliziert, da es keine konkreten Angaben über den Tod einer Person gibt. Sie müssen die Funktion zum Teilen der Kommentare und anschliessend „Andere“ auswählen und dann den Löschungsantrag erstellen. Die Snapchat-Teams werden Sie kontaktieren, um vor der Deaktivierung des Kontos die erforderlichen Überprüfungen vorzunehmen. Leider muss der Löschungsantrag zurzeit auf Englisch geschrieben werden.

Google (Gmail, YouTube):

Google setzt vor allem auf die „Kontoinaktivität“ und bietet einen „Kontoinaktivität-Manager“. Der Kontoinhaber kann bestimmen, was bei einer Inaktivität mit seinen Konten zu geschehen hat (Löschung oder Übertragung der freigegebenen Daten an eine nahestehende Person). Der Administrator kann für seine Daten und Konten bis zu zehn Personen angeben. In diesem Fall ist kein weiteres Vorgehen notwendig. Die Konten werden nach der vereinbarten Inaktivitätszeit gelöscht. Für die Inaktivität stehen mehrere Zeitspannen zur Verfügung: 3, 6, 12 oder 18 Monate. Nach Ablauf dieser Zeitspanne sowie nach mehreren Versuchen einer Kontaktaufnahme per E-Mail und SMS werden die bestimmten Personen per E-Mail über die Kontoinaktivität informiert und können die Daten herunterladen, auf die sie Zugriff haben. Der Administrator kann die Löschung des Kontos einige Monate nach Beginn der Inaktivität beantragen.

Ohne derartige Angaben muss ein Antrag gestellt werden, um auf das Konto eines Verstorbenen zuzugreifen. Dazu muss die Sterbeurkunde ins Englische übersetzt, notariell beglaubigt und zusammen mit einer Kopie des Ausweises des Antragstellers per Post oder Fax an die Geschäftsstelle von Google in Mountain View geschickt werden. Aus Datenschutzgründen ist jedoch nicht gewährleistet, dass der Zugriff auf das Konto freigegeben wird.

Twitter:

Das Konto kann auf Antrag der Erben unter Vorweisung der Sterbeurkunde gelöscht werden. Das Verfahren bleibt jedoch kompliziert. Der Antrag muss zusammen mit einer Kopie der Sterbeurkunde, Ausweiskopien und einer unterzeichneten Erklärung an den Sitz von Twitter in Kalifornien gefaxt werden. Nach der Überprüfung des Antrags löscht Twitter das Konto und alle Daten.

LinkedIn:

LinkedIn bietet ein Formular (nur auf Englisch verfügbar), mit dem die Angehörigen sowie alle Kontakte die Löschung eines Profils beantragen können. Der Antragsteller muss den Namen des Kontoinhabers sowie seine Verbindung zum Verstorbenen, das Sterbedatum sowie einen Link oder ein Dokument als Beweis für den Tod angeben.

Es ist auch möglich, dass der Verstorbene andere Konten auf weniger bekannten Websites oder sogar Blogs hat. Da es keine homogenen Abläufe gibt, wird empfohlen, die Allgemeinen Nutzungsbedingungen zu lesen und anschliessend den Kundendienst der Website zu kontaktieren und zu fragen, welche Möglichkeiten existieren.

 

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