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Nicht einfach als Frau in Frieden zu sterben!


Die Gleichstellung der Geschlechter ist noch lange nicht erreicht. Nein, die Frauen können immer noch nicht gleich wie die Männer leben. Und wenn es um den Tod geht? Oder das Lebensende? Dürfen die Frauen wirklich frei entscheiden, welche medizinische Behandlung oder welche Trauerfeierlichkeiten sie wünschen?

Es liegt auf der Hand, es gibt wenig Information zum Thema. Schauen wir uns doch mal die ältere Generation an, Menschen die Nahe am Lebensende sind. Die heute 80- bis 90-jährigen Ehepaare haben ein anderes Verhältnis zum Lebensende. Sie sind in einer Zeit aufgewachsen, wo es normal war, dass der Mann über alles entscheidet.

Der Mann: unfähig, den Alltag alleine zu bewältigen

Die Frau kümmert sich seit Jahren um den Haushalt und das Rentnerehepaar hat mit den Jahren eine Abhängigkeit geschaffen. Ob durch die Frau («Wir wird er ohne mich zurechtkommen»?) oder den Mann («Wer wird sich um mich kümmern?). Eine problematische Situation.

Zahlreiche Frauen sagen sich – ob bewusst oder unbewusst – dass sie bereits tot oder im Altersheim wären, wenn ihr Mann nicht mehr da wäre. Im schlimmsten Fall wird das Lebensende als Einschränkung empfunden. Womöglich haben sie Arthrose. Mit Alzheimer hätten sie wenigstens vergessen können.

Also wir abgewartet, bis etwas passiert. Deshalb lieben die alten Menschen wahrscheinlich Scrabble (und die Frauen gewinnen mit dem Wort «Langeweile»).

Immer und immer wieder dasselbe… die Einkäufe, das Essen, der Haushalt und der Abwasch. Es wäre umso befreiender, wenn schnell etwas passieren würde: unsterblich sein, das muss todlangweilig sein, vor allem mit einem bemutterten Mann.

Die Entscheidungs“freiheit“

Selbstverständlich gibt es Möglichkeiten, sich zu vergewissern, dass der Letzte Wille respektiert wird. Zum Beispiel anhand von Vorsorgeaufträgen oder Patientenverfügungen. Aber werden diese Dokumente wirklich ungehindert ausgefüllt?

Diskutieren Sie doch bei der nächsten Gelegenheit mit einem Arzt aus der Geriatrie und Sie werden bestimmt erfahren, dass viele Frauen den Druck ihres Mannes spüren, welcher Ihnen «Ich weiss nicht wie die Waschmaschine funktioniert!» zuflüstert, anstelle von «Ich möchte nicht, dass du vor mir stirbst.» 

Und im Anschluss an das Gespräch werden Ihnen diese Ärzte sagen „So, jetzt muss ich gehen. Ich fahre übers Wochenende nach Zermatt.“ Weil es eben Ärzte sind.

Dann die Wahl der Bestattungsart. Wer weiss schon, ob es in gewissen Ehepaargräbern nicht vielleicht Frauen gibt, welche lieber eine Kremation gehabt hätten. Diese Gräber sind eine traurige Verlängerung der ehelichen Wohnung, ohne das Scrabble.

Selbstverständlich sollte die Gleichberechtigung bereits zu Lebzeiten erreicht werden und nicht erst mit dem Tod. Der Weinstein-Skandal, das Museum der sexuellen Belästigung, Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern zeigen sich schon zu Beginn der beruflichen Laufbahn...Der Weg ist noch lange um in Frieden zu Leben. Aber wäre es nicht der ultimative Schritt für eine gerechte Welt für die Frauen, auch in Ruhe sterben zu können?

 

Was tun?

Gibt es schlussendlich eine Lösung für das Problem? Denn es ist nicht einfach  Ursula, Helga und Renate aus einer anderen Epoche mit Christian, Stefan und Daniel zusammenzubringen. 

Dies bedeutet noch lange nicht, dass die Pärchen Julia und Kevin zwangsläufig eine gleichgestellte Beziehung führen. Aber sie sind jünger und verblöden lieber vor Realityshows, als vor Gesellschaftssendungen zu sterben.

Und wenn sie sich dann dem Lebensende nähern, hat Kevin sich vielleicht daran gewöhnt, dass Julia auch mit ihren Freundinnen in die Bar geht und dass er sein Essen selbst zubereiten muss.

Zeit verstreichen zu lassen kann jedoch nicht die einzige Lösung sein. Das Tabu muss gebrochen werden, damit die Frauen frei über ihr Schicksaal entscheiden können.

Indem den Frauen zum Beispiel ermöglicht wird, Ihr letzter Wille an einem Ort, so sicher wie in ihrem Herzen, zu hinterlegen. Aber nicht in ihrem Herzen, sondern anderswo.

Damit sich alles ein bisschen leichter anfühlt…


Fahren wir mit dem Thema weiter ?

JA !